Ökodesign stärken – für mehr Energieeffizienz und Klimaschutz in Europa!

Europa bei Nacht; Foto: CC BY-NC 2.0 / NASA

In unregelmäßigen Abständen schwappt eine Populismus-Welle durch Deutschland. Ob zur Europawahl oder der Umsetzung einer neuen EU-Verordnung – Gerne werden zuvorderst von europakritischen Parteien in öffentlichen Reden oder Debatten pauschal die so genannte „Regulierungswut“ oder  „Hinterzimmer-Diplomatie“ in Brüssel kritisiert. Einige Massenmedien übernahmen leider diese populistische Schwarzmalerei unreflektiert.

Als Beispiele wurden zuletzt im Europawahlkampf Ökodesign-Anforderung für Kaffeemaschinen sowie die künftigen Regelungen für Staubsauger angeführt. Was ist dran an dieser Kritik?

Ökodesign wirkt – erwiesenermaßen!

Fakt ist: Ökodesign ist zusammen mit dem Energielabel eines der effektivsten und kosteneffizientesten Klimaschutzinstrumente, die wir auf europäischer Ebene haben. Ökodesign hat seinen Wert bereits bewiesen, z.B. bei der 2009 verabschiedeten Standby-Verordnung, durch die der Stromverbrauch so sehr sank, als wenn 200 Millionen Fernsehgeräte abgeschaltet worden wären. Durch alle weiteren Ökodesign-Maßnahmen werden wir in den nächsten Jahren soviel Energie einsparen, wie von 70 Atomkraftwerken produziert würde. Die Verbraucher sparen 280 Euro pro Jahr und Europa verringert die Energieabhängigkeit massiv, z.B. von Russland.

Auch von „Hinterzimmer-Diplomatie“ kann nicht die Rede sein: Bis ein Produkt reguliert wird, vergehen Jahre – leider oft noch zu viele, in denen mit Vorstudien und im Austausch mit allen Anspruchsgruppen, insbesondere der Industrie, Verbrauchern, Umweltverbänden und jedem interessierten Politiker, die Anforderungen an die Produktgruppen transparent besprochen werden.

Billiger Populismus bringt keinen Verbraucher- und Klimaschutz – Ökodesign dagegen schon!

Wer also aus populistischen Gründen die sinnvollen Ökodesign-Maßnahmen und die Energieverbrauchskennzeichnung dem Stammtisch aussetzt, ist kein Anwalt der Bürgerinnen und Bürger, sondern legt im Prinzip Axt an die ureigenen Interessen der Verbraucher – und zwar Kosten zu sparen, energieunabhängiger von Krisenstaaten zu werden sowie den Umwelt- und Klimaschutz in Europa voranzubringen.

Beispiel Staubsauger: Viel Watt bedeutet nicht automatisch viel Wirkung!

Staubsauger; Foto: © dmitrimaruta - Fotolia.comAb dem 1. September 2014 werden Staubsauger, die in Deutschland auf den Markt gebracht werden, das EU-Energielabel tragen und gesteigerte Mindestenergieeffizienzanforderungen erfüllen müssen. Das Label zeigt neben der Energieeffizienzklasse den durchschnittlichen jährlichen Energieverbrauch. Die neue EU-Ökodesign-Verordnung für Staubsauger legt u.a. fest, dass die auf dem Gerät genannte Leistung 1.600 Watt nicht überschreiten darf (ab dem 1. September 2017: 900 Watt).

Einige Medien zeichneten hier das Bild von Teppichen, die Dank der EU nicht mehr ordnungsgemäß gereinigt werden könnten. Leider besteht auch bei vielen Verbrauchern dieses unbegründete Vorurteil. Dabei ist die Saugleistung auf dem Teppich eben nicht, wie oft angenommen, direkt von der Eingangsleistung in Watt, also dem Stromverbrauch, abhängig. Der Teppich kann mit einem Staubsauger von 800 Watt genauso schnell und gründlich gereinigt werden wie mit einem Sauger mit 2.400 Watt – nur eben effizienter und sparsamer. Wer sich jetzt noch einen Stromschlucker über 2.000 Watt kauft, verbraucht also unnötig Strom und zahlt in Zukunft drauf.

Die Ökodesign- und Labelanforderungen im Bereich der Staubsauger werden dazu führen, dass die Energie von fünf Kohlekraftwerken in Europa und sogar bis zu einem Kohlekraftwerk in Deutschland eingespart wird. Sie leisten damit einen deutlichen Beitrag zur Erreichung der Energie- und Klimaschutzziele in Deutschland und der EU. Das zeigt: Gerade die Regelungen für Staubsauger wären ein Paradebeispiel für positive EU-Beschlüsse.

Beispiel Kaffeemaschine: Eco-Modus ist alles andere als kalter Kaffee!

Kaffeemaschine; Foto: CC BY-NC-ND 2.0 / Felix MeyerAb dem 1. Januar 2015 werden neue Kaffeemaschinen verpflichtend mit einem Eco-Mechanismus ausgestattet. Es wird Strom gespart, indem das Warmhalten des Kaffees automatisch nach einer Zeitspanne zwischen 5 und 40 Minuten beendet ist. Nun wurde in einigen Medien der Eindruck erweckt, man könnte zukünftig nur noch „kalten Kaffee“ trinken.

Eine Ente, denn der Eco-Mode ist sinnvollerweise ab Werk vorab eingestellt, wer dennoch seinen Kaffee über Stunden „schwarz“ köcheln möchte, kann jederzeit zurück in den “Stromschlucker-Modus“ wechseln.

Im Eco-Modus kann der Einzelne aber bis zu zehn Euro im Jahr sparen. Europaweit kommen so Energieeinsparungen von mehr als zwei Terrawattstunden pro Jahr zusammen. Zum Vergleich: Diese Einsparung entspricht der Leistung eines mittleren Gaskraftwerks.

Experten-Workshop am 2. Juni 2014 in Berlin

Gebäude des vzbv in Berlin Mitte

Marküberwachung ist seit jeher eine wichtige staatliche Aufgabe. Mit der Erweiterung auf die Bereiche der Energieverbrauchskennzeichnung und Ökodesign fallen immer mehr Produktgruppen und Bereiche in die Überwachungszuständigkeiten der Behörden. Parallel dazu sind auch Industrie und Zivilgesellschaft aktiv  – Industrieverbände haben Selbstverpflichtungen, Umwelt- und Verbraucherverbände spüren schwarzen Schafen nach. Schnittstellen sind dabei nicht ausgeschlossen. Warum also nicht bestehende Ansätze verbinden und so mögliche Synergieeffekte heben?

Am 2. Juni 2014 wollen wir in kleinerer Runde über laufende Aktivitäten und die Möglichkeiten und Grenzen weiterer Kooperationen diskutieren. Daher laden wir zu dem Experten-Workshop ein, der im Rahmen der deutschen „MarktChecker“- Kampagne organisiert wird. MarktChecker ist die deutsche Kampagne eines EU-weiten Marktüberwachungsprojektes, das in Deutschland von dem Verbraucherzentrale Bundesverband und dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland getragen wird.

“Marktüberwachung durch Private im Bereich der EnVK und Ökodesign in Ergänzung zur hoheitlichen Aufgabe der Marküberwachungsbehörde”

Folgende Fragen stehen dabei im Mittelpunkt und werden in Form von Kurzvorträgen und Diskussionen besprochen:

  1. Wie ist Marktüberwachung im Bereich der EnVK und Ökodesign geregelt?
  2. Welche Initiativen gibt es außerhalb der staatlichen Marktüberwachung?
  3. Welche extern erhobenen Informationen sind für Marktüberwachungsbehörden relevant und wie könnten diese Informationen einen bestmöglichen Nutzen für die Behörden bringen?

Zielgruppe: Oberste Landesbehörden, Örtlich zuständige Marktüberwachungsbehörden der Länder, Mess- und Prüfstellen, Experten für Marktüberwachung EnVK und Ökodesign aus Verbänden und Industrie

Termin:       Montag, den 2. Juni 2014 in der Zeit von 12.45-17.30 Uhr

Ort:                 Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Konferenzraum Erdgeschoss, Markgrafenstraße 66, 10969 Berlin, Eingang Rudi-Dutschke-Straße 17

Anmeldung: Bis 23. Mai 2014 an energie@vzbv.de

Ansprechpartner: Johanna Kardel (vzbv), E-Mail: Johanna.kardel@vzbv.de

Programm_2. Juni_Veranstaltung Marktüberwachung Ökodesign und EnVK